Bei unserem Schmerzensmann in der Friedenskapelle hatte jemand mit der Hand folgenden Text geschrieben:
Ich DANKE der Gemeinde St. Martin, dass sie noch einen Ort zur Verfügung stellt, an dem man Opfern des eigenen Volkes gedenken darf. In Erinnerung an den 02.01.1945 an dem meine Mutter und meine Großeltern „ausgebombt“ wurden in Maxfeld und Freundinnen starben. Danke Christus! Frieden allen Völkern der Erde!
Der Wusch nach Frieden für alle Völker der Erde macht sofort die Absicht deutlich. Da erinnert sich jemand an eigene Schmerzen und wünscht diese keinem anderen.
In der Außenkapelle der Kirche St. Martin sind verschiedene Namen von im zweiten Weltkrieg Getöteten aufgelistet. Zum einen handelt es sich um gefallene Soldaten. Daneben gibt es zwei ungewöhnliche Listen, eine mit Toten der Fliegerangriffe und eine mit Toten von Heimatvertriebenen.
Vor einigen Jahren hat sich der Pfarrgemeinderat mit der Außenkapelle, dem Schmerzensmann und den Namenstafeln beschäftigt. Damals wurde beschlossen, dass der Raum zukünftig Friedenskapelle genannt werden solle. Es wurden drei große Plexiglas-Buchstaben angebracht, die das lateinische Wort für Frieden „PAX“ ergaben. Einige Gemeindemitglieder hatten sich mit Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der Gemeinde, ja der ganzen Welt beschäftigt und jeweils einen Buchstaben danach gestaltet.
Die Buchstaben sind zwischenzeitlich wieder abgenommen worden, da sie stark renovierungsbedürftig waren. Sogar der Begriff Friedenskapelle scheint in Vergessenheit geraten zu sein.
Auch dass der Schmerzensmann von 1930 das erste große Werk von Luis Rauschhuber war, weiß scheinbar nur noch Wikipedia. Und doch trotzen die schlichten Namenstafeln aus Pappkarton der Zeit.